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Donnerstag, 2 Juni 2005

Studiengebühren vs. Politikverdrossenheit

Heute gab es hier in Darmstadt wieder eine Demonstrationen gegen Studiengebühren, die dann nach Frankfurt weiter gezogen ist, um sich dort mit anderen kleineren Demonstrationen zusammen zu schließen. Ich war immerhin hier in Darmstadt dabei, bis zum Hauptbahnhof, aber leider musste ich heute Nachmittag eine Übung abhalten, und als Tutor kann ich schlecht fehlen.

Was mich an der ganzen Sache mal wieder stört:

Zum einen sind das die vereinzelten, ultra-linken Mitläufer, die mit Sprüchen wie "Alles für alle, und zwar umsonst!" die ganzen Protestbewegung in die autonome Ecke stellen und ihr so ein negatives Image verleiht, und zum anderen, dass sich so wenige Studenten an den Protesten beteiligen.

Heute haben sich auf dem Luisenplatz in Darmstadt schätzungsweise 200 bis 250 Leute beteiligt. Die TU Darmstadt hat schätzungsweise 17.000 eingeschriebene Studenten, hinzu kommen ca. 10.000 Studenten der FH Darmstadt sowie die EFH Darmstadt, von der ich jetzt keine genauen Zahlen weiss. Sagen wir mal, es gibt 30.000 eingeschriebene Studenten in Darmstadt. Sagen wir weiter, von den 30.000 studieren die Hälfte aktiv, also 15.000. Weiterhin behaupten wir mal, von denen ist nur die Hälfte gegen Studiengebühren. Dann hätten heute auf dem Luisenplatz in Darmstadt schon 7.500 Studis stehen müssen. Hinzu wären natürlich nochmal noch ein paar hundert Abiturienten gekommen, die ja auch demnächst gebührenfrei studieren wollen.

In der Frankfurter Rundschau habe ich gestern gelesen, dass die Veranstalter in Frankfurt zur landesweiten Demo mit ca. 5.000 Teilnehmern rechenen. Landesweit. Von vielen meiner Kommilitonen weiss ich, dass sie vehement gegen Studiengebühren sind. Wenn ich sie dann frage, warum sie dann nicht ihre Meinung vertreten, dann höre ich immer "Wir können doch ohnehin nichts daran ändern.". Das ist natürlich Böldsinn. Wir erreichen nur nichts, weil die Landesregierung ja sieht, dass sie keinen nenneswerten Widerstand bekommt. Wenn nur 5.000 Studenten landesweit auf die Straßen gehen, dann werden wohl die restlichen zigtausend stillschweigend den Studiengebühren zustimmen.

Ich glaube, die Menschen sind einfach zu träge und zu politikverdrossen, um sich ernsthaft aufzulehenen. Das macht es aber für die wenigen, die für ein Recht auf freie Bildung kämpfen wollen, erheblich schwerer. Und wenn das Kind dann bald in den Brunnen gefallen ist, dann ist das Gejammer wieder groß.

chrschn 02. Juni 2005, 19:29 Uhr

Zuletzt geändert am 18 Juli 2005 22:07 Uhr von chrschn